Schrippe mit Herz

In ein paar Tagen ist die Schu­le aus. Und es gibt Zeug­nis­se. Die­se mit einer Schnäpp­chen­jagd zu ver­bin­den, haben sich fin­di­ge Pots­da­mer Mar­ke­tingspro­fis ausgedacht.

Die klei­ne Bro­schü­re kommt sehr soli­de daher: Mit wei­ßer Schrift auf blau­em Grund steht groß "Zeug­nis­heft" dar­auf. Etwas klei­ner und sogar gegen­dert "Rabatt-Akti­on für alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler". Und das ganz Klein­ge­druck­te – gül­tig in den Bahn­hofs­pas­sa­gen vom 15. und 16. Juli 2015.

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Nun ist der Gedan­ke, Kin­der für ihre Schul­zeug­nis­se zu beloh­nen, kein neu­er. Vor Jah­ren wur­den in der Lan­des­haupt­stadt auf der Bran­den­bur­ger Stra­ße Eis­ku­geln an die Erfolg­rei­chen gra­tis ausgegeben.

Jetzt wirbt die Cen­ter­ma­na­ge­rin der Bahn­hofs­pas­sa­gen mit dem Zeug­nis­trick mit diver­sen Aktio­nen Käufer*innen und sie macht dabei im Som­mer­loch auch vor Kin­dern nicht Halt. Denn nur sie­ben von 22 Geschäf­ten schen­ken den Kin­dern wirk­lich etwas – die ande­ren geben ledig­lich Rabatt auf ihr Sortiment.

Und die, die den Schüler*innen etwas schen­ken wol­len, knüp­fen dies an Bedin­gun­gen: Für jede Note Eins gibt es bei­spiels­wei­se eine "Schrip­pe mit Herz", bei einem Noten­durch­schnitt von 1,0 bis 1,5 eine Kin­der­tü­te von Fer­re­ro oder bis 2,0 einen Schokomuffin.

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Die Geschäf­te, die ihre Wohl­ta­ten im blau­en "Zeug­nis­heft" anprei­sen, wer­den von der Cen­ter­ma­na­ge­rin durch­weg mit "sehr gut" beno­tet. Und spä­tes­tens hier geht mir ob des plum­pen Mar­ke­tings das Mes­ser in der Tasche auf.

Lie­be Eltern und Groß­el­tern, bit­te fal­len Sie nicht auf die­se Ange­bo­te hin­ein, son­dern ver­brin­gen Sie Zeit mit ihren Kin­dern oder Enkel*innen. Am bes­ten in der Natur. Und mit denen, die in der Schu­le nicht ganz so erfolg­reich waren umso mehr. Und Sie wer­den sich wun­dern, wie die­se Zuwen­dung mit der Zeit wun­der­ba­re Früch­te trägt.

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Und an die ganz Schlau­en, denen bei einem Noten­durch­schnitt von 1,0 ein Zehn-Euro-Ein­kaufs­gut­schein winkt: Ich wür­de mei­ne Zeit mit Bes­se­rem ver­brin­gen, als in den Bahn­hofs­pas­sa­gen so bil­lig shop­pen zu gehen.

Astrid Priebs-Trö­ger

Alle Repro­duk­tio­nen stam­men von der Autorin.

08. Juli 2015 von Textur-Buero
Kategorien: Alltagskultur | Schreibe einen Kommentar

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