Haltet zusammen!

Seit über zwan­zig Jah­ren gibt es kurz vor den Som­mer­fe­ri­en im Hans Otto Thea­ter eine bemer­kens­wer­te Pre­mie­re. Ele­ven der Tanz­aka­de­mie von Mari­ta Erx­le­ben zei­gen ihre Schul­jah­res­ab­schluss­in­sze­nie­rung. Und die ist jedes Mal ein Ereig­nis! So auch am 1. Juli als die india­nisch inspi­rier­te Geschich­te "Wie der Rabe das Licht brach­te" von mehr als ein­hun­dert Kin­dern und Jugend­li­chen ver­tanzt wur­de.

Im bis auf den letz­ten Platz besetz­ten Hans Otto Thea­ter mach­te sich genau­so eine Span­nung breit wie zur Eröff­nung der dies­jäh­ri­gen Pots­da­mer Tanz­ta­ge, als dort Pro­duk­tio­nen aus Mont­re­al gezeigt wur­den. Doch hier betra­ten nicht inter­na­tio­na­le Stars die Büh­ne, son­dern Kin­der ab 5 Jah­re bis hin zu Erwach­se­nen, die zur Dance Com­pa­ny von Mari­ta Erx­le­ben gehö­ren und zumeist seit vie­len Jah­ren tan­zen. Von Bal­lett in den Gra­den 1 bis 12, über Break­dance und Hip Hop bis hin zu Akro­ba­tik.

Jede/r tanzt nach sei­nen Fähig­kei­ten

Dies­mal nach Moti­ven eines india­ni­schen Mär­chens aber auch "Die zer­tanz­ten Schu­he" oder "Zwerg Nase" waren schon im Reper­toire. Und bei aller Ver­schie­den­heit der Stof­fe, Aus­stat­tun­gen und (Tanz-)Stile wird immer nach dem glei­chen Prin­zip gear­bei­tet. Jede/r wird sei­nen Fähig­kei­ten ent­spre­chend, ein­ge­bun­den, erhält eine klei­ne oder gro­ße Rol­le, ein wun­der­ba­res Kos­tüm und den Raum, sich auf einer gro­ßen Büh­ne zu ent­fal­ten. Da wer­den dann in mehr als einem Dut­zend Vor­stel­lun­gen – mit sechs ver­schie­de­nen Beset­zun­gen – über 800 Ele­ven zu sehen sein. Zumeist im  aus­ver­kauf­ten Haus. Ja, auch das gehört zu die­sem (auch logis­tisch) ein­ma­li­gen Pro­jekt – Eltern, Groß­el­tern, Freun­de und Bekann­te gehen scha­ren­wei­se ins Thea­ter, um "ihre" Kin­der zu sehen.

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Foto: Vanes­sa Schu­em­mel­fe­der

Kla­re Bot­schaf­ten

"Wie der Rabe das Licht brach­te" spielt in einem Wald, in dem zwei Clans leben: Die Hel­a­ku (das Son­nen­volk) und die Cho­gan (das Raben­volk) sind sich nicht wirk­lich grün. Doch als das (Sonnen-)Licht ver­schwin­det, müs­sen sie sich auf den Weg machen und dabei ler­nen zu koope­rie­ren. Der char­mant-fre­che Geist der Dun­kel­heit ist dabei so etwas wie ein Kata­ly­sa­tor, Spiel­meis­ter und Pop­corn essen­der Beob­ach­ter. Er gibt dem Mäd­chen Nime­da vom Son­nen­clan und dem Jun­gen Kan­gee vom Raben­clan Tipps, wie sie nach Nor­den kom­men und erzählt dem Publi­kum, was sich ereig­net und was (eigent­lich) zu tun ist. "Hal­tet zusam­men!" ist eine sei­ner deut­li­chen Bot­schaf­ten, von der Nime­da  und Kan­gee jedoch lan­ge nichts wis­sen wol­len.

Weil sie auf ihrem lan­gen Weg sowohl bedroh­li­chen Eis­we­sen als auch nied­li­chen Schnee­flo­cken und Hasen, hilf­rei­chen Bibern und wei­sen Schnee­eu­len und Adlern begeg­nen, begrei­fen sie irgend­wann, dass es gar nicht anders geht. Die Kin­der und Jugend­li­chen der Tanz­com­pa­ny haben dies jedoch schon lan­ge ver­in­ner­licht und es wird wun­der­bar deut­lich, wenn der baum­lan­ge Hip Hop­per sei­nen gera­de mal fünf­jäh­ri­gen Kol­le­gen an die Hand nimmt, nach­dem die­ser – noch etwas auf­ge­regt – gezeigt hat, was er schon kann.

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Foto: Vanes­sa Schu­em­mel­fe­der

Mar­ken­zei­chen: Kon­flikt­lö­sun­gen mit gutem Aus­gang

Auf dem Thea­ter geht indes die Geschich­te wei­ter und ihrem guten Aus­gang zu. Denn auch dies ist ein Mar­ken­zei­chen der Insze­nie­run­gen von Mari­ta Erx­le­ben. Sie beschrei­ben –  wun­der­bar poe­tisch – den gegen­wär­ti­gen Zustand der Welt, spa­ren Kon­flik­te und Wider­sprü­che nicht aus, zei­gen jedoch immer einen Weg, die­se zu über­win­den. Sol­che "kla­ren" Bot­schaf­ten sind sel­ten gewor­den auf dem Thea­ter und tun doch denen, die sie hören und sehen ein­fach gut.

Das alles wird detail­ver­liebt in tol­le Kos­tü­me, schö­ne Cho­reo­gra­fi­en und ein mär­chen­haf­tes Büh­nen­bild ver­packt und läuft auch im Hin­ter­grund mit vie­len hel­fen­den Hän­den hoch­pro­fes­sio­nell ab. Und wenn auch die­se Kin­der nicht alle Pro­fi­tän­zer wer­den, die Lie­be zum (Tanz-)Theater wird ihnen jedoch ihr Leben lang erhal­ten blei­ben. Bra­vos und minu­ten­lan­ger Bei­fall zeig­ten auch den Kleins­ten, dass es sich lohnt, auch im nächs­ten Jahr wie­der mit­zu­ma­chen.

Astrid Priebs-Trö­ger

Die­ser Text erschien zuerst in den Pots­da­mer Neu­es­ten Nach­rich­ten vom 03.07.2017


04. Juli 2017 von admin
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