Relax. If you can.

Vor ein­hun­dert­fünf­zig Jah­ren war das Tiro­ler Berg­dorf Ischgl genau so ein Ort, wie ihn Joa­chim Rin­gel­natz in sei­nem Gedicht "Som­mer­fri­sche" beschreibt. Hier konn­te man Eins­sein mit sich und der gran­dio­sen Berg­welt.

Die­se exis­tiert zwar immer noch, doch in den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren ent­wi­ckel­te sich (nicht nur) hier die Tou­ris­mus­in­dus­trie so rasant, dass sie das arme Berg­bau­ern­dorf in eine lär­men­de Event­lo­ca­ti­on mit der höchs­ten Vier­ster­ne-Hotel-Dich­te öster­reich­weit ver­wan­del­te.

Die Pots­da­mer Foto­gra­fin K. T. Blum­berg ist nicht nur ein­mal dort gewe­sen. Ihre Fotos kann man bis 23. August im Pots­da­mer Kunst­haus "Sans Tit­re" anschau­en. Und das lohnt sich. Denn die stu­dier­te Sozio­lo­gin nimmt sich, anders als die Event-Tou­ris­ten im Après-Ski-Ort, genü­gend Zeit und hat einen wun­der­ba­ren Blick fürs Detail.

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In der drei­ßig Foto­gra­fi­en umfas­sen­den Aus­stel­lung fin­den sich Moti­ve, die uns die schil­lern­de Mons­tro­si­tät und gleich­zei­ti­ge Lee­re des moder­nen Mas­sen­tou­ris­mus humor­voll und ent­lar­vend vor Augen füh­ren. Ein Foto zeigt bei­spiels­wei­se eine Kar­te mit den unzäh­li­gen Lift­an­la­gen, die die Alpen­land­schaft zer­schnei­den. Doch die­ses Bild wäre nichts sagend, wenn nicht im Vor­der­grund uri­ge "Milka"-Kühe pran­gen wür­den.

Oder die the­ma­ti­schen Ver­gnü­gungs­parks, die ver­hin­dern, mit sich und der umge­ben­den Natur wirk­lich in Berüh­rung zu kom­men. Da sprin­gen Män­ner von häss­li­chen eiser­nen Sprung­tür­men, um sich dabei den ulti­ma­ti­ven Kick zu holen, wäh­rend das gran­dio­se Berg­mas­siv dahin­ter zur blo­ßen Kulis­se ver­kommt.

"Relax. If you can." – ist der Slo­gan, mit dem Ischgl auf sei­ner Web­sei­te für noch mehr Tou­ris­ten wirbt. Wer die­se Zei­chen rich­tig deu­ten kann, wird einen gro­ßen Bogen da her­um machen. Und sich abseits des Haupt­stroms eine Wie­se suchen, um ein­fach in die Wol­ken zu schau­en und sei­nen Gedan­ken nach­zu­hän­gen.

Vor­aus­ge­setzt, sie/er  kann und will sich wirk­lich ent­span­nen. Und: bit­te nicht wei­ter­sa­gen, wo sich die­se Wie­se befin­det!

Astrid Priebs-Trö­ger

Wei­te­re Infos unter www.galerie-ruhnke.de
Joa­chim Rin­gel­natz: "Som­mer­fri­sche" www.medienwerkstatt-online.de

 

02. August 2015 von Textur-Buero
Kategorien: Alltagskultur, Ausstellung, Fotografie | Schreibe einen Kommentar

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