Stadt für alle?

Pots­dam boomt. Das ist an den Baby­bäu­chen beson­ders im Som­mer ein­drucks­voll zu sehen. Jun­ger Müt­ter wohl­ge­merkt. Jeden­falls über­wie­gen die zwi­schen 25 und 35. Sie leben vor­zugs­wei­se in Pots­dam-West oder Babels­berg. Und haben nicht ein, son­dern oft zwei Kin­der im hip­pen Bab­boe. 

Kin­der brau­chen: zuge­wand­te Erwach­se­ne und Frei­räu­me. An letz­te­rem hapert es in der kin­der­rei­chen Lan­des­haupt­stadt. Wenn man den eige­nen Erfah­run­gen und der Demo "Pots­dam für Alle" Glau­ben schen­ken darf.

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Demo am 13. Juni 2015/Foto: pri­vat

Dort gin­gen am Sams­tag­nach­mit­tag (!) etwa vier­hun­dert schwarz- oder bunt­ge­klei­de­te (zumeist jun­ge) Men­schen auf die Stra­ße. Sie for­der­ten neben bezahl­ba­rem Wohn­raum für Stu­den­ten auch (mehr) Frei­räu­me für Kin­der und Krea­ti­ve.

Unter ande­rem ging es um die "Plan­ta­ne" – eine Frei­flä­che gegen­über der Dor­tu-Grund­schu­le. Die die­se als "Sport­platz" nutzt. Ich kann mich noch gut an die Mau­le­rei mei­nes inzwi­schen erwach­se­nen Kin­des erin­nern, wenn es auf der Buckel­pis­te einen 500 m-Lauf absol­vie­ren muss­te.

In der Zwi­schen­zeit hat sich dort nichts getan. Bis vor Kur­zem ein Inves­tor ver­kün­de­te, genau da drei­hun­dert Woh­nun­gen (für Bes­ser­ver­die­nen­de) zu errich­ten. Nicht nur hier sitzt die Stadt ihre Pro­ble­me aus, bis sie ihr meist­bie­tend abge­kauft wer­den.

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Foto: by brit_berlin/pixelio.de Die "grü­ne" Fami­lie ist schon lan­ge aus dem Zen­trum ver­schwun­den

Jetzt gibt es eine Initia­ti­ve, die das ver­hin­dern will. Gut so. Aber: War­um wer­den in Pots­dam Men­schen immer erst aktiv, wenn es um/gegen die soge­nann­ten „Rei­chen und Schö­nen" geht? Die von der was­ser­rei­chen Peri­phe­rie nun auch ins Zen­trum drän­gen.

Mich wun­dert das schon lan­ge nicht mehr: Babelsberger*innen sagen heu­te noch, dass sie nach Pots­dam fah­ren, wenn sie das nahe­ge­le­ge­ne Zen­trum mei­nen. Sie leben zwar im größ­ten Stadt­teil, doch der ist vor mehr als sieb­zig Jah­ren ein­ge­mein­det wor­den.

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Foto: by_Lutz Stallknecht/pixelio.de Neu­bau­ge­biet bei Nacht

Und: Zu den vor Jahr­zehn­ten ent­stan­de­nen Neu­bau­ge­bie­ten, in denen der Groß­teil – das wird gern ver­ges­sen – der Pots­da­mer Bevöl­ke­rung lebt, gibt es zwar funk­tio­nie­ren­de Ver­kehrs- aber ansons­ten herz­lich weni­ge und wenig herz­li­che Ver­bin­dun­gen.

Astrid Priebs-Trö­ger

 

14. Juni 2015 von Textur-Buero
Kategorien: Alltagskultur | Schreibe einen Kommentar

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