Tänzerische Umarmung

Was für ein Abend am Don­ners­tag bei den Tanz­ta­gen im t‑Werk! Zu Anfang sind nur ein grü­nes Vor­han­grund und dahin­ter nack­te Füße zu sehen.  Nach und nach betre­ten zwei Frau­en und vier Män­ner die Büh­ne, alle in graue Jog­ging­ho­sen und T‑Shirts gekleidet.

Man ertappt sich dabei, her­aus­fin­den zu wol­len, wel­che der Tän­zer der inklu­si­ven Per­for­mance  "Whe­re is ever­y­bo­dy?", einer Deutsch­land­pre­mie­re von Zoo und Plat­form K aus Bel­gi­en mit Behin­de­rung leben. Bei einem Mann ist es von vorn­her­ein sicht­bar. Oskar Stal­paert lebt mit Downsyndrom.

Whe­re is everybody__ZOO_PK_ ©Bart Grietens

Cho­reo­graf Tho­mas Hau­ert hat drei Tän­zer von Plat­form K ein­ge­la­den, gemein­sam mit Tän­zern von ZOO einen gemein­sa­men Raum respek­ti­ve eine Cho­reo­gra­fie zu kre­ieren und über die Frei­heit von Impro­vi­sa­tio­nen dahin zu gelan­gen. Alle sind betei­ligt, ihre jeweils spe­zi­fi­schen  Erfah­run­gen gleichwertig.

Und das Publi­kum erlebt einen inten­si­ven Pro­zess des Pro­bie­rens, des Annä­herns und letzt­end­lich einer wun­der­ba­ren Syn­the­se, in der völ­lig egal ist, ob  Kör­per oder Geist gän­gi­gen Nor­men entsprechen.

Es geht in "Whe­re is ever­y­bo­dy?" vor allem dar­um, einen gemein­sa­men Raum zu schaf­fen und zu hal­ten,  kurz: in Ver­bin­dung zu leben bezie­hungs­wei­se beim Tan­zen einen "sozia­len Kör­per" zu erfahren.

Whe­re is everybody__ZOO_PK_ ©Bart Grietens

Uni­ver­sel­le The­men zwi­schen Geburt und Tod wie Umar­mung, Ein­sam­keit, Gese­hen­wer­den oder Träu­me wer­den ver­han­delt und auch hier hat das Kraft­pa­ket der Grup­pe – Oskar Stal­paert – die Nase vorn.

Dabei wird aus Down­syn­drom  spie­le­risch ein­fach Down­syn­d­ream. Lie­be­voll trot­zig sin­gen er und schließ­lich alle ande­ren auch, "Ich will alles oder nichts" aus Hil­de­gard Knefs berühm­ten 1968er Song "Für mich soll‘ s rote Rosen regnen".

Ab jetzt ist auch der ima­gi­nä­re Kno­ten geplatzt, die Grup­pe sprüht vor Bewe­gungs­lust, Esprit und Sen­si­bi­li­tät – und alle, auch die Zuschau­er pro­fi­tie­ren davon. Antho­ny Quin­tard, eben­falls Tän­zer bei Plat­form K, schält sich wie danach auch alle ande­ren aus den grau­en Trai­nings­kla­mot­ten und erweist sich im far­bi­gen Jump­su­it als veri­ta­bler Sän­ger und Entertainer.

Und ganz am Ende ent­steht – aus sehr viel Lust am Spie­len und Aus­pro­bie­ren – und ver­schie­dens­ten musi­ka­li­schen Stil­rich­tun­gen, die alle Prot­ago­nis­ten bei­steu­er­ten, eine mit­rei­ßen­de Cho­reo­gra­fie, mit der sich die Tän­zer selbst und das Publi­kum umarmen.

Lang­an­hal­ten­der Applaus für Anna Dur­ja­din, Antho­ny Quin­tard, Oskar Stal­paert, Tho­mas Hau­ert, Sarah Ludi und Mat Voorter.

Astrid Priebs-Trö­ger

30. Mai 2026 von Textur-Buero
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