Die Jein-Sager
Ich fühlte mich selbst etwas wirr und orientierungslos, als die Deutschlandpremiere von "Dante" von Gunilla Heilborn am Donnerstagabend im T‑Werk zu Ende war.
Mit jeder Menge künstlichem Nebel, zahllosen absurden Song- und Geschichtenanfängen hat die Schwedin, die jetzt zum fünften Mal bei den Potsdamer Tanztagen zu Gast war, nicht nur ihre drei Protagonisten sondern auch das Publikum sehr unterhaltsam und wie schon so oft skurril buchstäblich im Kreis laufen lassen.

In ihrer 2024 entstandenen Produktion – dem Jahr in dem Trump zum zweiten Mal US-Präsident wurde – ist eine Reise nach Florenz, dem Geburts- und Wirkungsort Dante Alighieris, der Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zum gegenwärtigen Weltzustand. Doch nicht Dantes "Göttliche Komödie" an sich steht im Mittelpunkt der Performance sondern die Menschen, die sich in deren "Vorhölle" verirrt haben.
Diejenigen also, die nie Stellung bezogen haben und nun endlos umherirren. Wie es ihr auch selbst passierte, als sie auf ihrer Florenzreise auf der Suche nach Dantes Spuren, sich zwischen endlosen Touristenströmen in engen Gassen und der permanenten Überlagerung von Vergangenheit und Gegenwart wiederfand und die Orientierung verlor. "Dante" erinnert in seiner Haltung auch an andere literarische Vorbilder wie Hermann Melvilles Schreiber Barthleby oder das Motiv von "Buridans Esel", der sich bei Heilborn nicht zwischen Äpfeln und Birnen entscheiden kann und ebenfalls verhungert.

Ihr Stück, das 2024 den Schwedischen Tanzpreis bekam, ist selbst keinem Genre wirklich zuzuordnen. Text, Bewegung und Musik sind wieder mit leichter Hand verbunden und die unspektakulären Bewegungen erscheinen als körperliche Verlängerung der Gedanken. Ludvig Daae, Kristiina Viiala und Sophie Augot bewegen sich meist mit stiller Präsenz. In ihren einfachen Gesten, im Gehen, im Stehen oder Zögern öffnet sich ein Raum für besondere Aufmerksamkeit und Beobachtung. Man weiß nie, ob sie gerade Ja, Nein oder Vielleicht meinen.
Doch in einem Punkt lässt Heilborn, die für das Konzept, den Text und die Regie verantwortlich zeichnet, keinen Zweifel. "Dante" ist eine Komödie, die "beschissen beginnt", aber – wie alle Komödien – gut endet.
Astrid Priebs-Tröger
