Schöner Sterben mit KI?!

Der neue Film von Doris Dör­rie ist ein "Knal­ler". Er mach­te (mich) trau­rig, wütend, glück­lich und hoff­nungs­voll zugleich.

"Frau Wink­ler ver­lässt das Haus" ist eine wun­der­bar viel­schich­ti­ge Erzäh­lung übers Leben und Ster­ben, über Müt­ter und Töch­ter, die Kraft von Poe­sie und Thea­ter und vor allem über Humor und Empathie. 

Und bei­na­he eine "Wer­bung" für Künst­li­che Intel­li­genz (KI), sprich:  Huma­no­ide Robo­ter, die uns in nicht all­zu fer­ner Zukunft in Din­gen wie Alten­pfle­ge unter­stüt­zen sollen/werden. Doris Dör­rie blickt – wie vie­le ande­re – nicht (nur) skep­tisch dar­auf, son­dern mit gro­ßer Ent­de­ckungs- und Spielfreude.

Obwohl ich mich bis­lang zu eben­je­nen KI-Skep­ti­kern zähl­te, war mir "Paw­lo­witsch" am Ende ziem­lich ans Herz gewach­sen, und für Din­ge wie Gar­ten­ar­beit, Beglei­tung in der Öffent­lich­keit und intel­li­gen­te Unter­hal­tung wür­de ich mich hun­dert­pro­zen­tig für ihn entscheiden.

Denn er war, wie Frau Wink­ler ein­gangs wütend fest­stell­te, dann doch nicht nur eine Maschi­ne, son­dern ein über­aus lern­fä­hi­ges "Ding", und dar­in fähi­ger als man­cher mensch­li­che Zeitgenosse.

"Frau Wink­ler ver­lässt das Haus" lebt vor allem von der wech­sel­sei­ti­gen Inter­ak­ti­on zwi­schen einer groß­ar­ti­gen Schau­spie­le­rin – der inzwi­schen 82jährigen Ange­la Wink­ler – und die­ser immer Empa­thie fähi­ge­ren Maschi­ne, die Josef Ellers kon­ge­ni­al bewegt und zudem ein­fühl­sam spricht.

Aber er pro­fi­tiert auch von der Ver­knüp­fung von weib­li­chen Lebens­ge­schich­ten und der Kraft der Poe­sie von Anton Tschechows "Drei Schwes­tern", die Mut­ter und Toch­ter (Lau­ra Ton­ke) zugleich ent­zweit und ver­bin­det. Und die es dann sogar noch schafft, die Pfle­ge­fach­frau Sel­ma (Via Jikeli), die dem Gedan­ken der Effi­zi­enz zutiefst ver­haf­tet scheint, nach dem Sinn des (eige­nen) Lebens zu fragen.

Alt­meis­te­rin Dör­rie (71) ist mit "Frau Wink­ler ver­lässt das Haus" ein gro­ßer Wurf gelun­gen, und die Bezeich­nung Tra­gi­ko­mö­die lässt erah­nen, zwi­schen wel­chen (Un-)Tiefen sie sich bewegt. Sie beweist ein­mal mehr ein siche­res Händ­chen für die gro­ßen exis­ten­zi­el­len The­men Lie­ben, Leben und Sterben.

Astrid Priebs-Trö­ger

08. Oktober 2026 von Textur-Buero
Kategorien: Allgemein, Alltagskultur, Film | Schlagwörter: , , , , | Schreibe einen Kommentar

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