Der Krieg in uns – Teil 2

Ein Mann spielt: Mit Plüsch­ti­ger, Plas­tik­sol­da­ten, Hub­schrau­bern, Pan­zern und Flug­zeu­gen. Und eine Bar­bie­pup­pe darf auch nicht feh­len. Doch was der Figu­ren­spie­ler Ari­el Doron aus Isra­el mit ihnen treibt, ist kein Kin­der­spiel.

Statt­des­sen führt er dem dicht gedrängt sit­zen­den Publi­kum im Flu­xus-Muse­um poin­tiert vor, wie die abend­län­di­sche Unter­hal­tungs­in­dus­trie und die west­li­che Kriegs­ma­schi­ne­rie in der Gegen­wart alp­traum­haft Hoch­zeit hal­ten. Da blieb einem schnell das Lachen im Hals ste­cken.

11 Ariel Doron Plastic Heroes (1) Foto Anael Resnick

Foto: Ana­el Res­nick

Beson­ders krass in der Sze­ne, als die drei mit Sturm­ge­päck aus­ge­rüs­te­ten Spiel­zeug­sol­da­ten bat­te­rie­be­trie­ben durch den Dschun­gel krie­chen, einer von ihnen durch­dreht und zum mit allen Glie­dern zucken­den Gesangs­star mutiert.

Noch bru­ta­ler wird die­ser Zusam­men­hang zwi­schen glit­zern­der Ober­fläch­lich­keit und emo­tio­na­ler Ver­blö­dung sicht­bar, als Sol­dat Jon­ny mit sei­ner Ehe­frau per Sky­pe kom­mu­ni­ziert. Die Wort- und Gefühls­hül­sen, die sie über zwei Tablets hys­te­risch mit­ein­an­der aus­tau­schen, könn­ten jeder x-belie­bi­gen US-Fern­seh­se­rie ent­stam­men.

Zwi­schen all die­sem (un-)menschlichen Trei­ben taucht immer wie­der ein gro­ßer Plüsch­ti­ger auf. Groß­ar­tig, wie Pup­pen­spie­ler Doron ihm mit tie­ri­scher Gelas­sen­heit eine all­um­fas­sen­de Wür­de und Majes­tät ver­leiht. Der Gegen­satz zwi­schen "Kul­tur" und "Natur" könn­te kaum greif­ba­rer sein.

11 Ariel Doron Plastic Heroes (2) Foto Anael Resnick

Foto: Ana­el Res­nick

Doch es kommt, was kom­men muss: die infan­ti­li­sier­ten Spiel­zeug­sol­da­ten brin­gen auch den Tiger um die Ecke und fei­ern es als Sieg. Nicht ahnend, dass dies der Anfang vom gemein­sa­men Ende ist.

Fried­rich Schil­ler for­mu­lier­te 1793: "Der Mensch spielt nur, wo er in vol­ler Bedeu­tung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Ari­el Dorons groß­ar­ti­ge Insze­nie­rung "Plastic Heroes", die bei Uni­dram zu sehen war, hat die­ses wun­der­ba­re Pos­tu­lat schmerz­haft und ein­dring­lich ad absur­dum geführt.

Astrid Priebs-Trö­ger

06. November 2015 von Textur-Buero
Kategorien: Alltagskultur, Theater | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Sehr tref­fend. Per­fek­tes Zusam­men­spiel von kri­ti­scher Hin­ter­fra­gung und Enter­tain­ment. Wirk­lich sehr gelun­gen.

    • Sol­che poin­tier­ten Insze­nie­run­gen brin­gen auch poin­tier­te Kri­ti­ken her­vor! Da macht das Kritker*innendasein rich­tig "Spaß".

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