Kein Honigschlecken

Am Ende kam die Feu­er­wehr! Mit drei Fahr­zeu­gen stand sie plötz­lich im Schirr­hof. Was am Diens­tag­abend im aus­ver­kauf­ten T-Werk wie insze­niert wirk­te, war nicht geplant. Und wenn man den Ver­lauf von Pie­ter Ampes und Ben­ja­min Ver­doncks Per­for­mance "We don’t speak to be unders­tood" zu Ende denkt, käme da auch nie­mand mehr, der das ange­rich­te­te Cha­os in Ord­nung brin­gen könn­te.

Aus­ge­rech­net Anto­nio Vival­dis "Vier Jah­res­zei­ten" haben sich die bei­den bel­gi­schen Per­for­mer zur Brust genom­men. Die­se Barock­mu­sik, die einem so tief ans Herz geht, nicht nur, weil die Zeit und Welt, in der sie ent­stand, im Ver­gleich zur heu­ti­gen noch "in Ord­nung" waren. Doch ihre Schall­plat­te hat immer wie­der Aus­set­zer und durch die skur­ri­le Män­ner-WG geht (nicht nur) ein Riss.

fabrik_Pressebild_Tanztage15__2

VERDONCK + AMPE / Foto: Phi­le Dep­rez

Ben­ja­min Ver­donck und Pie­ter Ampe woh­nen da zwi­schen Tisch, Stuhl, Kühl­schrank und Toas­ter zusam­men und leben gran­di­os anein­an­der vor­bei. Mit spe­zi­ell bel­gi­scher Lust zum ori­gi­nel­len Slap­stick kre­ieren sie Situa­tio­nen, in denen die Sehn­sucht nach Nähe wun­der­bar sub­til und bru­tal zugleich ad absur­dum geführt wird.   Ihr  (Zusammen-)Leben ist wirk­lich kein Honig­schle­cken!

Im Zuschau­er­ge­spräch, das erst statt­fand, als sich der dicke Rauch nach dem Show­down ver­zo­gen hat­te, erzähl­ten sie dann noch, wie Hil­la­ry Clin­tons Bild den Weg an ihren WG- Kühl­schrank fand. Und dass sich bei­de schon lan­ge ken­nen, aber in die­ser Per­for­mance zum ers­ten Mal zusam­men auf­ge­tre­ten sind. Und nicht zuletzt: dass sie im Eifer des Gefechts die Far­be und den Schaum im Gesicht ver­ges­sen haben.

Astrid Priebs-Trö­ger

03. Juni 2015 von Textur-Buero
Kategorien: Tanz | Schlagwörter: , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert