Kalt, ungerecht und ärgerlich?

Der drit­te Tag bei Uni­dram gehör­te fast voll­stän­dig der wuch­tig-zar­ten Vater-Sohn-Per­for­mance des tsche­chi­schen Cirk La Puty­ka. Und wäh­rend bei die­ser vier­stün­di­gen Auf­füh­rung bis zur Hälf­te Kom­men und Gehen erlaubt war, herrsch­te bei "Arti­ca" ein stren­ges Regle­ment.

Die Mimen der kata­la­ni­schen Grup­pe "Pon­ten Pie" nah­men dabei alles selbst und jede*n an die Hand. Jede*r Zuschauer*in wur­de ein­zeln in die von außen hei­me­lig wir­ken­de Holz­hüt­te ein­ge­las­sen, drin­nen mit einem war­men Man­tel ver­sorgt und auf einen vor­be­stimm­ten Platz gesetzt. Doch was, wenn der Sitz zu nied­rig und der Man­tel viel zu klein waren?

Cirk-La-Puty­ka/­Fo­to: Mike Rafail

Auf­be­geh­ren oder Anneh­men? Doch dies stand gar nicht zur Debat­te, da von hin­ten schon die Nächs­ten in die enge, eisig­kal­te Stu­be nach­rück­ten. Also, das Schick­sal anneh­men, sich für eine Stun­de fügen? Auch wenn das Gan­ze in Anbe­tracht der Käl­te kein Spaß mehr war?

Das (eigene) Schicksal annehmen?

Nichts ande­res schien einem übrig zu blei­ben – Schicksal/Zufall eben – und: schon die­se ele­men­ta­re Erfah­rung lohnt(e) den Besuch. Denn die nach­fol­gen­den, mit­tels ver­schie­de­ner Win­ter­män­tel erzähl­ten, wun­der­bar poe­ti­schen Geschich­ten ent­schä­dig­ten einen völ­lig.

Denn sie erwärm­ten auf wun­der­sa­me Wei­se das Herz, ver­knüpf­ten mit­tels lan­ger, durch den gan­zen Raum gespann­ter Fäden alle mensch­li­chen Wesen dar­in.

Artica/Foto: Eva-G. Alcant­a­ra

Dies geschah eben­so am zwei­ten Abend des Fes­ti­vals, als die bul­ga­ri­sche Grup­pe "Puppet´s Lab" auf ihre urei­ge­ne Wei­se den Sisy­phos-Mythos erzähl­te. Der von der Bestim­mung des Men­schen han­delt, jeden Tag, jeden Augen­blick neu den vor ihm lie­gen­den, oft schwe­ren Bro­cken hin­auf­zu­rol­len auf den nicht enden wol­len­den Berg.

Stoyan Doy­chev ist dabei nie allein. Wun­der­ba­re Pup­pen beglei­ten ihn. Mal sind sie die ewig pola­ri­sie­ren­den zwei See­len in sei­ner Brust oder sie ent­wi­ckeln sich zu einem vor­wit­zi­gen Sohn, mit dem der Tän­zer nach und nach herr­lich im Duett pfei­fen kann. Doch auf dem Höhe­punkt die­ser leicht­fü­ßi­gen Vater-Sohn-Bezie­hung beißt der Älte­re (aus lau­ter Lie­be?) plötz­lich in den den Kopf des Klei­nen und frisst ihn ein­fach auf.

Puppet´s Lab/Foto: Ivan Don­chev

Herzerwärmende Lebensfäden knüpfen

Auch die­se wun­der­ba­re (dra­ma­tur­gisch kal­ku­lier­te) Ver­knüp­fung – denn am nächs­ten Abend wird ein ande­rer Vater-Sohn-Kon­flikt aus­ge­foch­ten – gehört zu Uni­dram. Nach und ent­steht bei Jenen, die sich die meis­ten der zwölf ver­schie­de­nen Vor­stel­lun­gen an den fünf Tagen anschau­en, ein geheim­nis­vol­les Band zwi­schen die­sen. Denn die sehr unter­schied­li­chen Insze­nie­run­gen begin­nen, mit­ein­an­der zu kor­re­spon­die­ren und dar­aus kann sich bis zum Schluss ein ganz ande­res, neu­es Gewe­be spin­nen.

Genau­so wie in "Arti­ca", wo in der eisi­gen Hüt­te die Fäden aus Män­teln aus aller Welt zusam­men­lau­fen und die Darsteller*innen um Ser­gi Ots freund­lich, ernst­haft und emsig dran arbei­ten, einen  neu­en wär­men­den Man­tel (aus Lebens­ge­schich­ten) ent­ste­hen zu las­sen. Berührt und glück­lich zugleich, wer dies ganz unmit­tel­bar erle­ben und (s)ein Stück (Lebens- und Erin­ne­rungs-) Faden dazu bei­tra­gen durf­te!

Astrid Priebs-Trö­ger

03. November 2017 von admin
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